Immaterieller Schadenersatz bei Tod oder besonders schwerer Körperbehinderung einer nahestehenden Person
19/12/2025
Intro
Der Tod einer nahestehenden Person oder eine Situation, in der eine nahestehende Person eine besonders schwere Körperbehinderung erleidet, stellt eine der schwierigsten Lebenssituationen dar und hat häufig langfristige emotionale und psychische Folgen für die Familienangehörigen. Das kroatische Recht erkennt in solchen Fällen das Recht auf eine angemessene Geldentschädigung für immateriellen Schaden wegen seelischer Leiden an. Dieses Recht ist jedoch weder automatisch noch für alle gleich – gesetzliche Bestimmungen und die Rechtsprechung legen bestimmte Voraussetzungen und Kriterien fest.
In diesem Artikel erläutern wir, wer anspruchsberechtigt ist, was in der Praxis als besonders schwere Körperbehinderung gilt und wie Gerichte die Höhe der angemessenen Geldentschädigung bestimmen.
Was ist ein immaterieller Schaden?
Ein immaterieller Schaden liegt bei einer Verletzung von Persönlichkeitsrechten vor und äußert sich im Fall des Todes oder der besonders schweren Körperbehinderung einer nahestehenden Person meist in seelischen Leiden der Familienangehörigen. Da ein solcher Schaden nicht behoben oder rückgängig gemacht werden kann, sieht das Gesetz eine Geldentschädigung vor – eine angemessene Geldleistung, die der Linderung der Folgen der Rechtsverletzung und der Anerkennung des erlittenen Leids dient.
Wer hat Anspruch auf Entschädigung bei Tod oder besonders schwerer Körperbehinderung einer nahestehenden Person?
Nach Artikel 1101 des kroatischen Schuldrechtsgesetzes (Zakon o obveznim odnosima) steht der Anspruch auf eine angemessene Geldentschädigung in erster Linie den Mitgliedern der engen Familie zu:
- Ehegatten,
- Kindern,
- Eltern.
Darüber hinaus können auch folgende Personen anspruchsberechtigt sein:
- Geschwister,
- Großeltern,
- Enkelkinder,
- außereheliche Lebenspartner.
Voraussetzung ist, dass zwischen ihnen und der verstorbenen bzw. verletzten Person eine dauerhafte Lebensgemeinschaft bestanden hat.
Ehegatten – tatsächliche und nicht nur formale LebensgemeinschaftAuch wenn bei Ehegatten grundsätzlich vom Bestehen einer Lebensgemeinschaft ausgegangen wird, betont die Rechtsprechung, dass die Ehe auch tatsächlich gelebt worden sein muss. Wird festgestellt, dass zum Zeitpunkt des schädigenden Ereignisses weder eine Lebensgemeinschaft noch eine emotionale Verbundenheit bestand, kann das Gericht den Entschädigungsanspruch ablehnen.
Eltern und KinderIm Verhältnis zwischen Eltern und Kindern besteht der Anspruch auf Entschädigung unabhängig vom gemeinsamen Haushalt, wobei ein getrenntes Leben die Höhe der Entschädigung beeinflussen kann. Anspruch besteht auch für:
- Eltern im Fall des Verlusts eines gezeugten, aber ungeborenen Kindes,
- ein Kind wegen des Todes oder der besonders schweren Körperbehinderung eines Elternteils, selbst wenn das Kind nach dem schädigenden Ereignis geboren wurde.
Die Gerichte akzeptieren eine erweiterte Auslegung des Kreises der Anspruchsberechtigten. In bestimmten Fällen wurde der Anspruch auch anerkannt für:
- Stiefkinder,
- Stiefmütter oder Stiefväter,
wenn die Beziehung in Qualität und Intensität einer Eltern-Kind-Beziehung gleichkam.
Was gilt als „besonders schwere Körperbehinderung“?
Das Gesetz enthält keine genaue Definition der besonders schweren Körperbehinderung; deren Bedeutung wurde daher durch die Rechtsprechung entwickelt. Entscheidend ist, dass der Invaliditätsgrad allein nicht ausreicht.
Bei der Beurteilung berücksichtigen die Gerichte insbesondere:
- den Grad der Behinderung,
- die Erscheinungsformen der Behinderung (sichtbare, dauerhafte und bleibende Folgen),
- den Grad der Abhängigkeit von Hilfe Dritter,
- die Auswirkungen auf den Alltag der verletzten Person und ihrer Familie.
Wie wird die Höhe einer angemessenen Entschädigung festgelegt?
Die Höhe der Entschädigung wird nicht automatisch festgelegt. Bei der Entscheidung berücksichtigt das Gericht eine Reihe von Umständen, insbesondere:
Schwere und Dauer des seelischen Leidens,
das Alter des Verstorbenen oder Verletzten,
das Alter und das Verwandtschaftsverhältnis der indirekt Geschädigten,
die Intensität der emotionalen Bindung,
die Umstände des schädigenden Ereignisses,
im Falle einer Behinderung: den Grad der Abhängigkeit und die Absehbarkeit der Folgen.
In der Praxis orientieren sich die Gerichte häufig an den Orientierungskriterien des Obersten Gerichtshofs der Republik Kroatien,
die als Richtlinien dienen, aber keine mathematische Formel darstellen. Jeder Fall wird individuell geprüft.
Ist eine medizinische Untersuchung des seelischen Leidens erforderlich?
Die Rechtsprechung vertritt die Auffassung, dass eine gerichtsmedizinische Untersuchung zur Feststellung des seelischen Leidens nicht notwendig ist.
Das Gericht kann dessen Schweregrad auch auf Grundlage der Aussagen der Parteien und anderer Beweismittel im Rahmen einer freien richterlichen Beurteilung feststellen.
Was ist im Verfahren wichtig zu beweisen?
In Verfahren auf Schadensersatz für immaterielle Schäden ist es besonders wichtig:
das Bestehen einer dauerhaften Lebenspartnerschaft nachzuweisen (z. B. bei Geschwistern, Großeltern oder Lebenspartnern),
nachzuweisen, dass es sich um eine besonders schwere und nicht um eine „gewöhnliche“ schwere Behinderung handelt,
die Intensität der Beziehung und die emotionale Verbundenheit nachzuweisen, insbesondere wenn die tatsächliche Familienbeziehung umstritten ist.
Abschluss
Die Entschädigung für immaterielle Schäden infolge des Todes oder einer besonders schweren körperlichen Behinderung einer nahestehenden Person stellt nach kroatischem Recht ein rechtlich anerkanntes Recht dar.
Sie haben Anspruch auf angemessene finanzielle Entschädigung für schwerste Formen seelischen Leids. Obwohl das Obligationenrecht den Kreis der Anspruchsberechtigten festlegt, zeigt die Rechtsprechung, dass im Einzelfall die tatsächlichen Lebensbeziehungen, die Intensität der emotionalen Bindung und die spezifischen Umstände des schädigenden Ereignisses ausschlaggebend sind, insbesondere bei besonders schwerer Behinderung und dem Bestehen einer dauerhaften Lebenspartnerschaft.
Aufgrund der Komplexität der Rechtsfragen, der unterschiedlichen Rechtsprechung und der Notwendigkeit stichhaltiger Beweise ist eine rechtzeitige professionelle Rechtsberatung oft entscheidend für die erfolgreiche Geltendmachung des Anspruchs auf Schadensersatz.
Wenn Sie einen nahestehenden Menschen verloren haben oder ein Familienmitglied eine besonders schwere körperliche Behinderung erlitten hat, kontaktieren Sie unsere Kanzlei für Rechtsberatung, eine Einschätzung Ihres Falles und die Wahrung Ihrer Rechte.
Hinweis: Dieser Artikel dient allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung für einen konkreten Fall dar.
Neueste Beiträge
Haben Sie noch Fragen?
Ein Mitarbeiter unseres Büros wird sich schnellstmöglich bei Ihnen melden.
- 091 520 0264
- andrej@odvjetnikbasovic.hr
